Der Hof Gasswies erhält den Bundespreis Ökologischer Landbau.

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Bei der Verleihung des Bundespreises für Ökologischen Landbau in Berlin (von links): Christian Eichert, Geschäftsführer vom Bioland-Landesverband Baden-Württemberg, die beiden Preisträger Silvia und Alfred Rutschmann vom Hof Gasswies in Klettgau und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.  Bild: Bioland/M. Fröhlich

Südkurier vom 24.01.2015
VON HEIDRUN GLASER

Klettgau –  Der Bioland-Betrieb Hof Gasswies von Silvia und Alfred Rutschmann erhält auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Bundespreis Ökologischer Landbau. Die Auszeichnung geht an Betriebe, die Innovationskraft bewiesen haben sowie die richtigen Antworten auf die Fragestellungen der Zukunft und Herausforderungen des wachsenden Marktes mit Ökoprodukten geben.            

Der Bioland-Betrieb Hof Gasswies ist in Berlin mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau ausgezeichnet worden. Das Preisgeld beträgt 7500 Euro. Der Hof ist einer von bundesweit drei Betrieben, denen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Rahmen des „Tag des Ökolandbaus“ auf der Internationalen Grünen Woche eine Auszeichnung überreichte. Dies schreibt Bioland in einer Pressemitteilung. „Mit ihrer besonderen Innovationskraft geben die ausgezeichneten Betriebe die richtigen Antworten auf die Fragestellungen der Zukunft und Herausforderungen des wachsenden Marktes mit Ökoprodukten“, wird Minister Christian Schmidt in der Mitteilung zitiert.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) aus Lauchringen, gratulierte dem Ehepaar mit den Worten: „Innovativ, ökologisch und am Tierwohl orientiert – das umfassende Konzept des Hofs orientiert sich nicht nur an hohen Standards im Bereich Umweltschutz und achtet auf Biodiversität, sondern sorgt sich darüber hinaus auch um eine tierfreundliche Haltung der Milchkühe. Dafür wurde der Hof Gasswies zu Recht prämiert!“

Bioland-Landesgeschäftsführer Christian Eichert freut sich über die Auszeichnung des Klettgauer Vorzeigebetriebes. „Mit Innovations- und Schaffenskraft gehen unsere Betriebe konsequent neue Wege, die von vielen anderen Betrieben – nicht nur aus dem Ökosektor – übernommen werden.“

Silvia und Alfred Rutschmann bewirtschaften einen Hof mit 50 Milchkühen und Nachzucht sowie 120 Hektar Fläche. Im Vordergrund der Tierhaltung steht die „Muttergebundene Kälberhaltung“, die neben dem Tierwohl den Erhalt und die Verbesserung der Biodiversität zum Ziel hat.

Die Tiere stehen von Frühjahr bis Herbst Tag und Nacht auf der Weide. 15 Prozent der Ackerflächen werden zum Futteranbau genutzt, auf den restlichen Flächen wachsen Soja, Getreide und andere Marktfrüchte. Mit etwa 5000 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr wird nur so viel Milch erzeugt, wie es die Nutzung des Grünlandes zulässt.

Die Kühe werden alle im Frühjahr auf der Weide gedeckt, so dass die gesamte Herde im nächsten Februar/März abkalbt. Kuh und Kalb bleiben nach der Geburt ein bis zwei Wochen eng zusammen. Anschließend gehen die Kühe zurück in die Herde und das Kalb wird in die Kälbergruppe integriert. Dennoch hat das Kalb noch drei bis vier Monate lang Gelegenheit, den Kontakt zur Mutter zu halten. Es darf nach dem Melken bei der Mutter saugen.

„Die Tiergesundheit hat sich nach der Umstellung deutlich verbessert. Außerdem ist das Grünland durch die extensive Bewirtschaftung artenreicher. Ohne die Bioland-Beratung, die uns immer unterstützt, neue Wege zu gehen, wären wir die Muttergebundene Kälberhaltung nie angegangen“, berichtet Familie Rutschmann. Ein weiteres Standbein ist die Direktvermarktung von Fleisch, Milch und weiteren Produkten. Außerdem bietet der Hof als Lernort Erlebnistage für Kinder und Jugendliche.

 

Silvia und Alfred Rutschmann vom Hof Gasswies freuen sich über den Bundespreis Ökologischer Landbau: „Wir bekommen viel Rückenwind und Anerkennung“

Silvia und Alfred Rutschmann wurden in Berlin auf der Grünen Woche mit dem Bundespreis Ökologische Landwirtschaft ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt 7500 Euro.
Wie fühlt man sich in Berlin als frisch gekürter Preisträger?

Silvia Rutschmann: Wir bekommen mit dieser Auszeichnung viel Rückenwind und Anerkennung, die sehr wohltut. Und natürlich ist alles sehr aufregend – und wir versuchen, hier in Berlin unser Alemannisch auf ein verständliches Maß zu reduzieren. Was jedoch nicht so richtig gelingt.

Gibt es schon Pläne, wo das Preisgeld Verwendung findet?

Alfred Rutschmann: Beim Schnapsbrennen vor wenigen Tagen ist uns die fast 50 Jahre alte Brennerei um die Ohren geflogen. Wir träumen von einem Brennerreihaus mit einer blitzblanken, neuen Brennerei, mit der wir das Obst unserer Streuobstwiesen lecker verflüssigen können. Aber es gibt auch noch viele anderer Zukunftsvisionen.

Und die wären?

Silvia Rutschmann: Den Hof weiter öffnen, vielfältig und zukunftsfähig entwickeln und somit verschiedene Formen der Beteiligung am Ökolandbau ermöglichen. Sei es beispielsweise als Verbraucher, Kindergartenkind, Praktikant oder Förderer. Wir freuen uns, wenn Menschen, denen unsere Wirtschaftsweise gefällt, uns mit einer Baum- oder Kuhpatenschaft unterstützen, näheres auf unserer Website. Dieses Jahr ist ein Hoffest geplant, an dem wir „10 Jahre muttergebundene Kälberaufzucht“ auf dem Hof Gasswies feiern möchten.

 

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