Nachtrag.

Der folgende Zeitungsbericht von Heidrun Glaser ist zu gut, um ihn Euch vorzuenthalten.

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Silvia und Alfred Rutschmann (links) informieren die Besucher über Ökolandbau auf dem Hof Gasswies in Rechberg.

Gasswies-Hof stellt Weichen für Zukunft

Der Gasswies-Hof in Rechberg wird künftig als KG geführt. Zudem wird eine Genossenschaft gegründet, an der Bürger Anteile erwerben können. So soll der Biohof dauerhaft gesichert werden.

Klettgau-Rechberg – Alfred und Silvia Rutschmann sind seit 20 Jahren überzeugte Biolandwirte. Ihr Betriebskonzept wurde mehrfach preisgekrönt und der Hof Gasswies vom Bundeslandwirtschafts-Ministerium als Demonstrationsbetrieb für Ökolandbau und Tierwohl ausgewählt. Regelmäßig öffnen die Rutschmanns Stall- und Hoftore.

Bei der jüngsten Hofbesichtigung berichtete das Ehepaar, wie sie zusammen mit der Kulturland-Genossenschaft die Weichen gestellt haben, damit ihr Biohof auch künftig in Rechberg bestehen kann. Da in der Familie von Alfred und Silvia Rutschmann ein Hofnachfolger fehlt, beschäftigten sich die beiden mit dem Gedanken, wie eine außerfamiliäre Betriebsübergabe gelingen kann. Erster Schritt war die Umwandlung des Einzelunternehmens Hof Gasswies in eine Kommanditgesellschaft (KG), bei der Alfred Rutschmann als Komplementär auftritt und Silvia Rutschmann sowie Freunde des Ehepaares und weitere Biobetriebe als Gesellschafter fungieren. Die Rutschmanns sind von der KG als Betriebsleiter eingestellt und können ihre Posten zu gegebener Zeit an einen jungen Biobauern übergeben.

Parallel zur Umfirmierung wurde die „Kulturland Gasswies KG“ gegründet, die eng an die bundesweit agierende Kulturland-Genossenschaft angegliedert ist. Letztere hat sich die Sicherung von landwirtschaftlichen Nutzflächen für regional eingebundene Biohöfe zur Aufgabe gemacht, indem sie Äcker und Wiesen in Gemeinschaftseigentum überführt. „Es geht darum, die wertvolle Kulturlandschaft in ihrer natürlichen Vielfalt für die kommenden Generationen zu sichern“, erklärte Alfred Rutschmann. Mit dem Erwerb von einem oder mehreren Genossenschaftsanteilen in Höhe von jeweils 500 Euro können Bürger dieses Anliegen unterstützen. So sollen Bioplus-Höfe, also Ökohöfe, die gesellschaftliche Mehrwerte erbringen, in dem sie beispielsweise Produkte direkt Vorort vermarkten, Landschaft und Natur pflegen, Menschen mit Handicap in den Hofalltag integrieren oder Bildungsarbeit leisten, gefördert werden.

Der Idee der Kulturland-Genossenschaft liegt die Tatsache zugrunde, dass viele Agrarflächen durch Erbfolge oder auslaufende Pachtverträge frei auf dem Markt verfügbar sind und es für Biohöfe schwieriger werde, bei steigenden Bodenpreisen mitzuhalten. „Jeder Flächenverlust ist für unseren Ökolandbau mit seiner siebengliedrigen Fruchtfolge kaum zu verkraften“, erklärte Alfred Rutschmann und ergänzt: „Die Beteiligungen unserer Genossen sollen dabei helfen, die von uns bewirtschafteten Äcker und Wiesen zu sichern, damit sie dem Hof langfristig zur Verfügung stehen. Jeder kann so dazu beitragen, dass wir – und irgendwann auch unsere Hofnachfolger – hier weiterhin gesunde Nahrungsmittel erzeugen und dass auch künftig Kühe mit Hörnern auf der Weide grasen können.“ Seine Frau Silvia ergänzt: „Nach all den Jahren des Experimentierens rund um Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Tierwohl, mit vielen Schwierigkeiten aber auch tollen Erfolgen, ist es für mich immer noch einer der schönsten Momente im Jahr, wenn unsere Kühe im Frühling die Weiden beziehen und sich sichtlich über die Sonne und das frische Gras freuen.“

(Südkurier 04.08.2016, Fotos und Text: Heidrun Glaser)

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