klein_gasswies gruppenbild

v.l. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, Ministerialdirektor Wolfgang Reimer (MLR), Silvia und Fred Rutschmann vom Hof Gasswies, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein (Vorstand BÖLW), Dr. Hans-Christoph Eiden (Präsident der BLE), Jan Plagge (Präsident Bioland, Vorstand BÖLW), Dr. Christian Eichert (Geschäftsführender Vorstand Bioland BW), © bioland/M. Fröhlich

 

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Der Hof Gasswies hat sich im Bereich „Gesamtbetriebliche Konzeption“ beworben. Dem engagierten Betriebsleiterehepaar ist es auch dank einer klaren Arbeitsteilung seit 2005 gelungen, ein innovatives Betriebskonzept zur Förderung von Biodiversität und Tierwohl mit 150 Rindern, davon 50 Milchkühe, überzeugend zu verwirklichen. Neben Ackerland-, Grünland und Dauerkulturen wird auch ein kleiner Teil der Flächen für Bienenweide und für die Grassamenvermehrung genutzt.

Förderung von Tierwohl, die sog. „Muttergebundene Kälberaufzucht“

In der Milchviehhaltung werden Mutterkuh und Kalb üblicherweise schon nach wenigen Tagen getrennt. Dagegen orientiert sich die auf dem Hof praktizierte sog. „muttergebundene Kälberaufzucht“ am natürlichen Verhalten von Kuh und Kalb. Das Kalb nimmt die für das Immunsystem wertvolle Biestmilch auf. Die Kuh leckt ihr Junges intensiv ab. Nach etwa drei Tagen erkennen sich Kuh und Kalb an der Stimme und auch am Geruch. Beide verbleiben circa eine Woche in einer separaten Abkalbebox. Nach ein bis zwei Wochen kommt die Kuh zurück in den Herdenverband und das Kalb in die Kälbergruppe im Stall und darf bis zum Absetzen zweimal täglich nach dem Melken bei seiner Mutter saugen. Sicht- und Körperkontakt wie zum Beispiel zum Ablecken ist aber regelmäßig am Tag möglich. Die Tiergesundheit hat sich seit der Umstellung des Aufzuchtsystems deutlich verbessert.

Fruchtbarkeitsmanagement durch saisonales Abkalben

Futterration, Nährstoffversorgung und jahreszeitlicher Milchanfall werden durch die Wahl des Abkalbezeitpunktes der Milchkuh stark beeinflusst. Die auf dem Hof betriebene landwirtschaftliche Tierhaltung orientiert sich am natürlichen Jahreszeiten-Zyklus. Die Stiere decken die gesamte Kuhherde im April/Mai auf der Weide und bleiben drei Monate in der Herde. Ab Ende Dezember wird das Milchvieh nicht mehr gemolken. Der Organismus der Kühe kann sich erholen und auf die bevorstehende Geburt und Laktation vorbereiten. Während dieser Zeit wird auch weniger energiereiches Futter wie Gras- und Maissilage oder Getreideschrot benötigt, sondern eher strukturreiches Heu. Durch das zeitgleiche Trockenstellen der Milchviehherde kann das Grünland extensiver bewirtschaftet werden. Alle Kälber kommen im Zeitraum Februar/März auf die Welt.

 

Rinder auf dem Hof Gasswies.Klick führt zu Großeansicht in neuem Fenster

Fütterung und standortangepasste Milchleistung

Während der Vegetationsperiode (April-September) ist das Milchvieh Tag und Nacht auf der Weide. Lediglich 15 Prozent der Ackerfläche wird zur Futtererzeugung für die Milchviehherde (4 Hektar Mais und 5 Hektar Kleegras) zu Beginn der Laktation (April-Juni) benötigt. Mit durchschnittlich 5.000 Liter je Milchkuh wird nur so viel Milch produziert, wie im Wesentlichen die Nutzung der eigenen Grünlandflächen es zulässt.

Förderung der Biodiversität

Durch die geringe Düngung des Grünlandes entstehen arten- und blütenreiche Wiesen, die vielen Insekten, Nützlingen, Bienen und anderen Wildtieren Wirts-, Nahrungs- und Schutzraum bieten. Die Mahd erfolgt spät. Kräuter und Gräser können sich aussamen. Die 2008 erstellte Bestandsaufnahme „Artenliste Grünland Hof Gasswies“, getrennt nach Gräsern und Grasartigen sowie Kräutern und Leguminosen, ist beachtlich.

Verbesserte Einkommenssituation und größere Attraktivität des Betriebes

Da nur wenig Ackerfläche zur Futtererzeugung benötigt wird, können weitere Feldfrüchte wie Soja angebaut und eine Saatgutvermehrung erfolgen. Die Marke „Hof Gasswies“ mit seiner nachhaltigen Produktionsweise und Förderung von Tierwohl und Biodiversität genießt eine hohe Kundenakzeptanz.

Bewerbung zum Bundespreis 2015


Quelle: www.oekolandbau.de