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Landwirte haben Hochkonjunktur. Sie sind allgegenwärtig in Film, Funk und Fernsehen. Das ist nichts Neues. Bauern waren schon immer häufiger als andere Berufsgruppen in den Medien vertreten. Wer erinnert sich schon an einen Gartenarchitekten als Hauptfigur eines Krimis, der in Ermangelung einer Mistgabel den korrupten Politiker mit einem Tuschefüller ersticht? Oder den netten Leichenwäscher von nebenan, der dem beliebten Schlagersänger auf Sonntagstour seine, zugegeben, etwas kühl gestalteten Betriebsräume zeigt und der daraufhin ein bewegendes „kein schöner Land…“ zum Besten gibt? Niemand: Denn Bauern sind die wahren Stars unserer Medienlandschaft.

Für viele von uns hat die erste Begegnung mit den Herren der Kuhställe bereits in fötalen Zeiten stattgefunden: unsere Muttis waren dem Genre der Heimatfilme herzlich zugetan. Und so haben Sie in ihren gemütlichen Stuben vor dem Fernseher, hochschwanger, die eine oder andere Träne für unseren gutmütigen Bauer Fredl vergossen.

(Fredl, stattlich und kerngesund, besiegt den psychotischen, reichen Städter Stefan im Kampf um das Herz der schönen Susi, scheitert jedoch am allzu feschen Förster Michael. Der nämlich überzeugt mit einer für die Tiere des Waldes organisierten Waldweihnacht von seinen Versorgerqualitäten. Und kommt schließlich der Susi beim Beobachten der Hasen von seinem romantischen Hochsitz aus näher – Fredl ist auf den zweiten Platz verwiesen. Was sich später als großes Glück erweist: Fredl begegnet seiner Jugendliebe, der vollbusigen, tüchtigen Silvy vom Nachbarhof, die sich seit ihrem 15. Lebensjahr in der Kreisstadt als Hauswirtschafterin verdingt. Die Liebe entflammt aufs Neue und lodert heiß und hell bis ans Ende ihrer Tage.)

Kaum sind wir auf der Welt, begegnen uns Landwirte auf Schritt und Tritt: In Baby-Bilderbüchern bringen sie uns bei, wie sie aussehen, die Enten, Hühner, Kühe und Schweine. Viele von uns sehen das Getier bis ins hohe Erwachsenenalter dann nur noch in der Fleischausgabe der örtlichen Metzgerei wieder. Für besonders technisch interessierte Zweijährige (gerne mit landwirtschaftlichem Hintergrund) gibt es Werke, die den Unterschied von einer Kreisel- und einer Kulti-Egge erklären. Mit einer so breit angelegten Bildung kann später auf dem humanistischen Gymnasium nichts mehr schiefgehen.

In Kinderzeiten wurde uns allen dann klar, dass Bauern nicht nur herzensgut, tierlieb und technisch begabt, sondern auch wortkarg sein müssen. Der Alp-Öhi bekam seine Lippen nur auseinander, wenn er seine Geißen schimpfte: Diese waren in einem geeigneten Moment in die Almhütte eingedrungen und hatten die Matratzenfüllung von Heidis Heubett einfach aufgefressen.

Als junge Erwachsene waren wir politischen Themen gegenüber mehr oder weniger aufgeschlossen. Wir lernten, dass Bauern vor allem eins sind, nämlich schlau: geschickt schöpfen sie die scheinbar nie versiegenden Quellen der Subventionsmeere ab und werden so als Landschaftsgestalter tätig: es entstehen Fleischhügel, Butterberge und Milchseen.
Die einen erfüllen sich mit den öffentlichen Geldern den langgehegten Wunsch, den Maschinenpark mit einem haushohen Trecker aufzupeppen. Die anderen gleichen das in den vergangenen 12 Monaten erwirtschaftete Defizit aus und bezahlen endlich ihre Schulden in der Dorfschenke. Und gönnen sich mal wieder einen freien Sonntag mit Besuch im Europapark. Dazwischen gibt es, grundsätzlich betrachtet, nichts.

In den vergangenen Jahren, unsereiner geht so langsam gegen die Vierzig (unsere Ehepartner sogar mit großen Schritten in Richtung Midlifecrisis), ist der Bauer in den Medien leider immer mehr zum Agrarökonom jenseits von Moral und guten Sitten verkommen: Tüchtige Berichterstatter haben viel zu viele Fälle von Skrupellosigkeit und kriminellem Potential aufdecken müssen. Landwirte, denen gar nichts heilig war, weder die Gesundheit der Verbraucher noch die Würde der Tiere, die ihnen anvertraut waren.

Aber weil auf Dauer die ausschließliche Beschäftigung mit den bösen Buben wenig Spaß bereitet, wenden sich vor allem die privaten Fernsehanstalten wieder den sympathischen Freaks, emanzipationsresistenten Machos und peinlichen Psychotikern aus dem ländlichen Raum zu. Bauern werben vor laufenden Kameras für Knuspermüsli (die vor chemischen Zusätzen nur so strotzen) und bieten mit ihren Höfen Spielort nicht enden wollender TV-Serien.

Höhepunkt der Fernseh-Vermarktung allerdings sind die beim Zuschauer äußerst beliebten Kuppelshows. Ledige Bauern suchen mit Hilfe von feschen Moderatorinnen verzweifelt Ihr Herzblatt. Einige von Ihnen würden jedoch besser beim Arbeitsamt anfragen: Die eigentlich richtige Adresse, um eine Putzfrau zu finden. Meist ist es also nicht ganz unbegründet, dass die Landwirte mit niemandem unter einer Decke stecken. Denn selbst die süßesten Kätzchen, die goldigsten Kälbchen und die allerliebsten Küken können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ihr Herrchen eher den Umgang mit Schweinen, denn mit Damen gewohnt ist. Hinterwäldler eben!

Diese Dramen, diese Peinlichkeiten mit anzuschauen, dass macht dem Fernsehzuschauer (und uns!) Spaß. Bauern sind gerade äußerst „hipp“. Schwierig wird’s allerdings in Zeiten des Geruchsfernsehens. Da wird ganz sicher ein Bauernsterben der medialen Art stattfinden.

„Video killed the radio star…“