Voll daneben oder bloss dumm gelaufen?


blöde

Pannen auf unserem Hof: Ein abendfüllendes Thema mit dem Zeug zur „Unendlichen Geschichte“. Die Gasswiesler, Menschen und Tiere, sind die wahren Meister des Fettnapfs. Kein Jahr geht ins Land, ohne dass jemand etwas unfassbar Ungeschicktes oder Blamables abliefert. Und das ist nichts Neues…

Gehen wir zurück in die Vergangenheit. Diese Geschichte tut niemandem mehr weh, denn die Hauptakteurin ist bereits glücklich im Ziegen-Himmel.

Marili hieß sie, ich lernte sie leider nicht mehr kennen. Sie war eine bildschöne, schneeweiße Geiß, die Monika, Fredis Mutter, irgendwann in den 80er Jahren geschenkt bekam. Ihr Quartier hatte Marili natürlich im Stall, bei den Kühen, aufgeschlagen. Dort gab es kuschlige Ecken und der Tisch war reich gedeckt.
So reich, dass Marili in der komfortablen Lage war, sich mal hier, mal dort, das beste Kleeblatt herauszupicken. Marilis Ding war das Picken jedoch nicht, schließlich war sie kein Huhn. Sie schaufelte das Futter maßlos in sich hinein. Natürlich ist sie aufgegangen wie ein Hefeteig und ihr Körperumfang nahm den einer aufgeblähten Kuh an. Ungelogen.

Irgendwann ist Marili nicht an Altersschwäche gestorben, sondern aufgrund Ihrer Fettleibigkeit schlichtweg explodiert. Sagt Fred.

Marili hatte außer ihrer Gefräßigkeit jedoch noch eine weitere unangenehme Charaktereigenschaft: Sie war hochnäsig! Sie stolzierte durch den Stall, mitten durch die Futtertröge, so dass alle Kühe ihre Köpfe einziehen mussten. Und wenn sie einen besonders dreisten Tag hatte, streckte sie ihren glatten Hintern den Kühen hin und zwang diese mittels Hypnose dazu, ihr denselbigen abzuschlecken. Wann immer Fredi sah, dass seine geliebten „Mädels“ zur Unzucht genötigt wurden, wuchs seine Abneigung gegen die Geiß. Marili war nie wirklich Fredis Freundin, sie hatten lediglich friedliche Koexistenz vereinbart.

Und so geschah, was geschehen musste, Fredi und Marili kamen nicht mehr aneinander vorbei. Nein, nein, nicht im körperlichen Sinne, mehr im bildhaften…

Jungbauer Fredi hatte an einem schönen Frühlingstag die Jauchegrube abgedeckt, um die Gülle vor dem Ausbringen mit Wasser zu verdünnen und zu rühren. Und er versichert mir (er sitzt gerade mit am Tisch und liest, vielleicht guckt er aber auch bloß die Bilder an…), dass er damals beim meditativen Güllerühren dachte: „Ich muss nachher schnell die Grube zudecken, damit die saublöde Geiß nicht hineinfällt.“

War Marili mittlerweile des ständigen Fressens und des Lebens müde? Behinderten die Fettzellen auf der Netzhaut ihr räumliches Sehen? War es eine von den Kühen schon lange vorbereitete Falle, um die Ziegenherrschaft zu stürzen? Wenn Ihr mir eine plausible Erklärung liefern könnt, warum sich Marili schnurstracks in diese Güllegrube warf, scheut Euch nicht und ruft mich an.

Auf jeden Fall paddelte die mittlerweile nicht mehr ganz so schneeweiße Geiß verzweifelt in der Güllegrube um ihr Leben und flehte mit den Augen um Hilfe. Wenn ihr Fredi kennt, wisst Ihr, dass er sehr schnell den Gedanken verwarf, dass gute Tier einfach ersaufen zu lassen. Er ist ja ein herzensguter Kerl. Fredi schnappte sich also einen Strick und befreite nach einigen Fehlversuchen seine Feindin aus der Grube vor dem nassen Tod. Sie dankte es ihm – indem sie sich direkt neben ihm die Gülle aus dem Fell schüttelte.

Immer wenn Fredi diese Geschichte zum besten gibt (an Geburtstagen, Namenstagen, Hochzeiten, Trauerfeiern, Jahrestagen oder auch mal zwischendurch), bricht an dieser Stelle die Erzählung ab. Sein liebes Gesichtchen verzieht sich zur Fratze und ich frage mich, ob dem Marili nicht doch jemand die Luft herausgelassen hat…???