Saisonales Abkalben

Jungviehweide Foto Silvia Rutschmann

Der Traum eines jeden Milchbauern: Am Sonntag auszuschlafen, ohne das schlechte Gefühl, dass den Kühen der Euter drückt. Oder mal zwei Wochen in den Urlaub zu fahren, ohne einen Ersatzmelker organisieren und bezahlen zu müssen!

Wir haben uns den Traum von den Melkferien erfüllt! Wie das geht? Eigentlich ganz einfach….

In der Milchviehhaltung werden üblicherweise die Kühe einer Herde über das Jahr verteilt mittels künstlicher Besamung oder Natursprung gedeckt. So kommen Kälber zu allen Jahreszeiten auf die Welt.
In der Natur dagegen werden Jungtiere in der Regel im Frühjahr geboren, weil es dann neben mildem Klima vor allem auch das größte und nährstoffreichste Futterangebot gibt.
Insofern ist es nahe liegend, sich auch in der landwirtschaftlichen Tierhaltung an diesen Jahreszeiten-Zyklus anzupassen. Das Reproduktionsgeschehen unserer Milchkühe (Decken – Trächtigkeit – Trockenstellen – Gebären – Kälberaufzucht) erfolgt saisonal angepasst und orientiert sich am Verhalten unter natürlichen Bedingungen.

Unsere Stiere decken im April / Mai auf der Weide die gesamte Kuhherde (und die Färsen). Sie bleiben drei Monate in der Herde.

Eine Kuh ist neun Monate trächtig, bevor sie ihr Kalb auf die Welt bringt. In dieser Zeit braucht sie ihre ganze Energie, um ihr ungeborenes Kalb zu versorgen. Ende Dezember beginnt die Trockenstehphase des Milchviehs, d.h. in dieser Zeit werden die Tiere nicht gemolken. Der Organismus der Kuh kann sich erholen und auf die bevorstehende Geburt und Laktation vorbereiten. Während dieser Zeit verlangt das Vieh weniger nach energiereichem Futter wie Gras- und Maisilage oder Getreideschrot, sondern benötigt eher strukturreiches Heu, das durchaus auch spät gemäht sein kann.

Das zeitgleiche Trockenstellen unserer Milchviehherde erlaubt deshalb, unser Grünland extensiver zu bewirtschaften. Wir mähen weniger oft (gegenüber einem intensiv wirtschaftenden Betrieb um zwei bis drei Schnitte) und später, was einen sehr positiven Einfluss auf die Artenvielfalt von Pflanzen aber auch der in den Wiesen lebenden Fauna hat.

Heidi im Glück
Kälbergarten

Die Kälber kommen bei uns im Frühjahr ab Februar / März en bloc auf die Welt. Sie haben viele „Spielkameraden“ und einen Auslauf ins Freie.
Nach der Geburt und mit der Beginn der Weidesaison steht den Milchkühen am Beginn ihrer Laktation bestes Futter zur Verfügung, das sie sich selbst auf der Weide „holen“ und nicht erst in den Stall gebracht werden muss.

Na, ja, um ehrlich zu sein, ganz so einfach ist das mit den Melkerferien doch nicht. Wir müssen viel beobachten: Wie steht’s um die Libido und körperliche Fitness unseres Stieres? Sind alle Kühe guter Hoffnung (denn wo kein Kalb, da keine Milch…)? Wie entwickelt sich das Bankkonto, so ganz ohne Milchgeld? Und im Frühjahr, da müssen wir dann ganz schön ran: 50 Geburten, bei denen man immer bangt, ob alles gut geht. Vor allem den Erstgebärenden, den Kalbinnen, will geholfen werden: die Süßen wissen noch gar nicht, wie ihnen geschieht. Auch einigen Kälbern müssen wir unter die Hufe greifen: Nicht immer kommen sie mit dem Euter ihrer Mutter zurecht oder ihr Saugreflex ist ungenügend ausgebildet.

50 Kälber, was für ein Durcheinander und Gewusel! Wer gehört eigentlich zu wem?? Für Sie natürlich eine ideale Zeit, um einmal den Hof Gasswies zu besuchen und kleine “Buzzele” zu gucken!