„Wie sich Pflanzen selbst düngen“

Südkurier 06.08.2013
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Klettgau –  Biolandbau-Aktionstag auf Hof Gasswies. Hülsenfrüchte und Soja binden Stickstoff

Ackerbohnen, Körnererbsen und Soja fixieren doppelt soviel Stickstoff wie weltweit industriell produziert wird. Im Biolandbau sind sie deshalb unerlässlich, verlangen aber von Bauern und Bäuerinnen im Anbau viel Know-how und Fingerspitzengefühl, wie sich an einem Feldtag im Klettgau zeigte.

Auf dem 120-Hektar-Hof Gasswies von Alfred und Silvia Rutschmann im Klettgau traf sich eine stattliche Schar von Biobauern aus dem süddeutschen Raum zum Feldtag unter dem Titel „Leguminosen, Linsen und biologische Vielfalt“. Eingeladen hatte das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) mit Hauptsitz im schweizerischen Frick und Niederlassungen in Frankfurt und Wien. Leguminosen haben im Biolandbau eine enorme Bedeutung, da sie Stickstoff aus der Luft fixieren und zwar nicht weniger als das Doppelte von dem, was industriell produziert wird, wie Klaus-Peter Wilbois von Fibl Deutschland vorrechnete.

Trotzdem hat der Anbau in Deutschland in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Dazu beigetragen hat namentlich ein starker Rückgang bei den Körnererbsen. Gründe sieht Wilbois in den schwankenden Erträgen und den langen Anbaupausen, die nötig sind, damit die Schadorganismen wie zum Beispiel der Pilz Fusarium bei wiederholtem Anbau die Erträge nicht zu stark schmälern.

Er plädierte deshalb für einen variantenreichen Einsatz der Leguminosen. Neben den gut etablierten Ackerbohnen und Erbsen solle man auch mit Lupinen und Soja üben, ermunterte er die anwesenden Biobauern.

Gasswies-Besitzer Alfred Rutschmann zeigte sich in seinem Referat begeistert ob der laufenden Soja-Kampagne. Die 13 Hektar habe er zwar wegen des nassen und kalten Frühjahrs erst spät – am Pfingstwochenende – säen können. Unterdessen hätten sich die Bestände aber prächtig entwickelt. Mit dazu beigetragen habe die gute Anbauberatung der Firma Taifun und ein neuer Präzisions-Hackstriegel, mit dem er der Verunkrautung wirkungsvoll habe vorbeugen können.

Für Vielfalt plädierte auf dem anschließenden Feldrundgang auch die Organisatorin des Feldtags, Christine Arncken von Fibl Schweiz. Sie hat auf den Versuchsparzellen in der Gasswies interessante Sortenmischungen ausgesät. So sah man dort unter anderem Ackerbohnen in Kombination mit Triticale, Linsen mit Hafer oder Mais mit Feuerbohnen. In diesen Paarungen dient das Getreide einerseits als Stützpflanze. Die Kombinationen sorgen aber auch für etwas Biodiversität in den Feldern, die normalerweise nur eine einzige Sorte einer einzigen Pflanze beherbergen.

Gleichzeitig ergeben die Mischungen aus Getreide und Eiweißkulturen interessante Futtermischungen zum Beispiel für Hühnerhalter. Allerdings muss man darauf achten, dass der Reifezeitpunkt der beiden Kulturen übereinstimmt. Dies kann zuweilen tückisch sein, wie der Biolinsenproduzent Woldemar Mammel von der Schwäbischen Alb erklärte. Als in seiner Heimat kürzlich Hagel drohte, hätten einige Bauern aus der Verbrauchergemeinschaft (www.alb-leisa.de) in Panik sehr früh geerntet. Weil die Stützkultur Gerste noch nicht reif war, verklebte sie dann die Transport-, Reinigungs- und Trocknungsanlagen komplett, berichtete Mammel.

Zum Abschluss erhielt die interessierte Praktiker-Gemeinschaft Gelegenheit, das Gelernte im kleinen Kreis zu besprechen. Dazu servierte der Hausherr Wurst und Brot, natürlich alles in Öko-Qualität.

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