Nach Hause, nach Hause, nach Hause gehn wir                nicht

Wie jedes Jahr verlustiert sich unser nettes Jungvieh im Sommer auf den Weiden rund um Rechberg. Nun sind Ende Oktober die Wiesen alles andere als saftig und so holen wir in einem „Abtrieb“ die Rindli heim in den Stall. Wohin sie auch drängen, wenn es draußen unwirtlicher wird. Wir führen also, mit der Hilfe von lauffreudigen Freunden, die Tiere auf einer Weide zusammen – und „spazieren“ dann über Wiesen und Felder in den Stall, wo es sich bei deftigem Futter und in kuscheligem Stroh auch ganz gut leben lässt.

 

Ich kann beschwören, das hat bis jetzt immer so wunderbar geklappt, dass es richtig Spaß macht (wobei nicht ganz ohne Risiko, denn die Guten könnten auch einmal in die Reben, in die Gärten, auf die Straße… – ich will gar nicht daran denken…).

 

Nicht so dieses Jahr! Das „nette“ Jungvieh hat die Zeit über den Sommer genutzt: Es hat sich zu einer „Bande“ formiert! Und der Anführer, diese Bazille! Ein weißgelocktes Rindvieh mit Engelsgesicht, aber null Bereitschaft zur Zusammenarbeit! Er hat beste Karten, sich an Weihnachten auf Eurem Teller wiederzufinden!

 

Bitte nun kein Mitleid an der falschen Stelle!

 

Seit drei Tagen versuchen wir, die  Bestien heimzuholen. Lockmittel (Silofutter, Getreideschrot), Lockrufe („Kooooom, koooooooom, gömmo heim in Schtall“) und auch der Einsatz einer Moto-Cross-Maschine sind fehlgeschlagen. Im entscheidenden Augenblick dreht das Pack einfach um, rennt zurück in die Weidehütte, stärkt sich kurz mit Fallobst und reißt Witze über uns.

 

Fredi ist im Moment draußen und versucht, dem Anführer ein Halfter anzulegen – um ihn, und dann auch die anderen Lemminge, heimführen zu können. Ich hoffe, er kommt gesund wieder… an den Erfolg seines Tuns glaube ich nicht…

 

Ich schreibe das alles, weil geteiltes Leid halbes Leid ist.

 

Und natürlich auch, um Euch den nahezu übermenschlichen Aufwand nahe zu bringen, den es bedeutet, einen leckeren Braten zu „erzeugen“.

 

Eure Silvia