„Hofspiegel“ von Matthias Holländer

 


hofspeigel

DATEN

Der bildschöne Hof im Südschwarzwald genauer gesagt in 79771 Klettgau, Rechberg in der Wutöschinger Straße 4, auf dem ich mein Landwirtschaftspraktikum machte, heißt Hof Gasswies. Der Hof ist Familienbesitz, jedoch erst ab 2006 wohnen die Inhaber Alfred und Silvia Rutschmann außerhalb des Dorfes auf ihrem Hof. Dieser ist 126 ha groß, unterteilt in 60 ha Grünland, weitere 60 ha Ackerland, 4 ha Obstanlagen und schließlich 2 ha Wald. Davon sind 20 ha Eigentum (10 ha Grünland und 10 ha Ackerland) der Rest ist Pacht. Außerdem besitzt der Hof ca. 160 Kühe, ca. 50 Stück sind Milchkühe (während meines Aufenthaltes wurden 34 – 36 Milchkühe gemolken). Die männliche- und Teile der weiblichen Nachzucht sind Mast. Obwohl Mast nichts mit meiner Vorstellung von mästen zu tun hat, da die Tiere das ganze Jahr über auf beliebigen Weiden weiden und nicht mit irgendwelchem Spezialfutter gemästet werden.
An Mitarbeitern sind normalerweise nur Alfred, Silvia und Horst Rutschmann, und Ioan Addy Gawrilescu Jonut ein Gastarbeiter aus Rumänien anzutreffen, aber wenn es einmal knapp werden sollte sind etliche Freunde gerne bereit auszuhelfen.
Die Produkte die der Hof abwirft, sind: Milch, meiner Rechnung nach täglich ca. 600 l., diese werden dann zur Molkerei „Breisgaumilch“ gebracht. Später entstehen dann leckere Produkte wie z.B. „Tresana“ welches ich auch schon probierte. Fleisch: Viele Masttiere und alte Milchkühe werden jährlich an eine Fleischerei verkauft von wo aus sie dann in einer Metzgerei landen, aber ca. 10 Tiere werden jährlich über das Internet vermarktet, die dann ebenfalls von einer Fleischerei geschlachtet werden aber anstatt in einer Metzgerei dann bei der Post landen. Außerdem Obst, genauer: Kirschen, Äpfel, Zwetschgen, Mirabellen und Birnen die dann großteils zu Spirituosen gebrannt werden, auch als Mischungen (Obstbrand, Obsthefebrand und Kräuterbrand (auf Obst-Basis)). Und „last but not least”: Getreide, genauer gesagt: Bohnen, Buchweizen, Erbsen, Gerste, Hafer, Lein, Sonnenblumen, und Weizen. Dieses wird vom Hof selbst gereinigt und gelagert.

ARBEITSBERICHTE

Kirschenpflücken:
Wir fuhren zu einer abgelegenen Obstanlage mit Kirschbäumen. Da ich erst später dazukam war alles schon hergerichtet, sodass fünf Personen pflücken konnten. Es lehnten zwei Leitern an den Bäumen, und zwei Pflückschlitten standen bereit. Außerdem waren genug Pflückkörbe für alle da. Die Pflückkörbe schnallt man mit einem Gürtel um seine Hüfte, sodass man immer alle Extremitäten uneingeschränkt zur Verfügung hat. Gepflückt wird mit Stiel, nicht etwa wegen des zusätzlichen Gewichts, nein, sondern dass die Kirschen länger frisch bleiben. Wenn ein Körbchen voll war, konnte man die Kirschen in bereitstehende zehn Kilo Obststeigen schütten und gleich wieder weiter pflücken. Normalerweise bräuchte man für einen vollen Baum einen vollen Tag, aber dieses Jahr war die Ernte schmächtig und ging schnell von Statten.

Bäume spritzen:
Wir, Horst Rutschmann (in seiner Funktion als Obstanlagenverwalter des Hof Gasswies’) und ich, fuhren mit einem alten Cabrio Tracktor, an dem ein kleiner und ebenfalls alter Pumptankwagen angehängt war zu einer Obstanlage. Am Überrollbügel des Tracktors war in einem rechten Winkel eine nach vorne zeigende, aber nach rechts und links schwenkbare Stange angebracht. Von ihrer Spitze hing eine Kette herunter, sodass das Ganze wie ein Galgen aussah, bei dem man den horizontalen Balken schwenken kann. Am „Galgen“ hing eine Spritzpistole, die mit einem Schlauch am Pumptankwagen angeschlossen war. Die Spritzpistole konnte während der Fahrt vom Fahrer bedient werden. Hinten am Pumptankwaren war ein Gitter befestigt, auf dem ich stehen konnte, und von dort aus ich mit einer zweiten Spritzpistole die andere Seite spritzen konnte. Man spritzt von unten an die Blätter und die ganze Höhe des Baums, im Optimalfall von drei Meter Entfernung, so, dass sich das Gespritzte gut verteilt. Bei Bio muss man häufiger spritzen, weil die Blätter weiter wachsen, und der neu gewachsene Teil noch nicht gespritzt ist und weil man Nützlinge anlockt, und diese immer wieder anlocken muss. Wenn man irgendein Chemiezeug spritzt, dann sind diese Kriterien egal.

Holz sägen:
Wir legten auf 17 quadratische, hochkant aufgestellte Paletten, die auf beiden Seiten mit einer Latte je mit dem Abstand von ca. einer Palette zusammen genagelt waren, ein Bündel von ungefähr viereinhalb Meter langen Latten. Dieses Bündel hatte einen Durchmesser von ca. 50 cm. Wir zogen in jedem zweiten Palettenabstand eine Schnur fest um das Bündel, um dieses zusammen zu halten. Jetzt konnte Addy mit der Motorsäge immer solche Bündel absägen, dass die Schnur in der Mitte war. Diese kleinen Bündel waren dann ungefähr 50 cm lang. Nach vier bis fünf Tagen kam folgendes Resultat zustande:

DER REST

GEMEINER ARBEITSTAG
Mein typischer Arbeitstag sah etwa so aus:
Um sechs Uhr dreißig in der Frühe
Steh’ ich auf und hol’ die Kühe.
Dann helf’ ich melken bis acht Uhr dreißig
Danach Frühstück: Brot und süßer Aufstrich!
Jetzt wieder rackern bis viertel nach zwölf,
und zu Mittag gibt’s nich’mal ’nen Kölsch!
Wenigstens Pause bis maximal zwei-
Dann geht’s weiter mit der Schufterei!
Und das auch noch bis um halb sechs,
Mann, ist mein Arbeitstag verhext?
Nun wieder Kühe holen,
Zum Glück mit dem Hund
Sonst werden ei’m ja die Füße wund
Aber das heilt – nicht so die Sohlen!
Mit melken geht’s weiter bis kurz nach sieben,
Danach werdet ihr das Abendessen lieben!
Jetzt geh ich schnell hoch ins Dorf
Und vor die Glotze- mein Ersatz von Morph’.

Zeittabelle (diese Angaben sind wie immer ohne Gewähr)
6:30 Uhr Aufstehen
7:00 Uhr Melken/ Kühe holen
9:00 Uhr Frühstück
12:15 Uhr Mittagessen
ca. 1 St. Mittagspause
17:30 Uhr Kühe von der Weide zum Melken holen + anschließend melken
19:15 Uhr Abendessen
Vier mal musste ich noch am Abend ran (zweimal Einkaufen, einmal Kirschen schütteln, einmal Strohballen holen)
Die meisten der obigen Zeitangaben sind mit einem fetten ca. zu versehen.
Der Landwirt hatte den selben Arbeitstag, genau wie der Gastarbeiter.

BESONDERES EREIGNIS
Der Urlaub von Frau Rutschmann in der zweiten Woche, in jener sind wir jeden Tag essen gegangen ϑ.

BESONDERHEIT DES HOFES
Die für mich relevanteste Besonderheit ist gewesen, dass durch die Anwesenheit des Gastarbeiters die Gästewohnung auf dem Hof besetzt war, und ich 300m – 350m weiter den Hügel hinauf im Dorf bei den Eltern meine Wohnung hatte.
Eine weitere Besonderheit ist, dass der Hof Gasswies so genanntes saisonales abkalben betreibt, das heißt, dass alle Kühe so gedeckt werden, dass alle im Frühjahr (ab März) abkalben, und somit in Januar und Februar trocken stehen. In dieser Zeit können also auch Landwirt und Landwirtin Urlaub machen.
Ein weiterer Punkt den ich aufführen möchte ist die muttergebundene Kälberaufzucht. Anstatt nach 3,5 Tagen werden die Kälber erst nach über zwei Monaten von ihren Mütterkühen getrennt. Es gibt zwar weniger Milch aber glücklichere Kühe.
Mein letzter Punkt ist, dass ich es sehr fortschrittlich von Hof Gasswies finde, immer wieder an ungewöhnlichen Projekten teilzunehmen.

Mehr Informationen zum Hof finden Sie auf: http://hof-gasswies.de/

Dieser Artikel ist von Matthias Holländer
Juni 2008